Zwischen Masken und Mauern: Probenbesuch bei „Breaking the walls“ im Magdeburger Puppentheater

von Ulrike Kuhrt

Tanz und Maske, eine ungewöhnliche Kombination, die im Magdeburger Puppentheater innerhalb des Projektes „Breaking the walls“ zu sehen sein wird. Jugendliche im Alter zwischen 11 und 20 Jahren gehen das Wagnis ein und hinterfragen spielerisch Normen und Erwartungen. Im Herbst 2018 werden die ersten Szenen dieses Projekts präsentiert. Für das Projekt „Studenten schreiben“ hat Ulrike Kuhrt die Proben besucht.

Das Spiel mit Masken ist entscheidend bei der Inszenierung „Breaking the Walls“. Bildrechte: Marlen Geisler Puppentheater Magdeburg
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Proben im Puppentheater. Bildrechte: Ulrike Kuhrt

Sechs Jugendliche tanzen, schwitzen und lachen im Puppentheater in Magdeburg. Die 11- bis 20-Jährigen arbeiten an der Umsetzung des Projekts „Breaking the walls“, zu Deutsch: „Die Mauern brechen“. Rund ein Jahr zuvor feierte der erste Teil dieses Theaterstücks unter dem Titel „Das Haus“ Premiere und begeisterte die Zuschauer. Nun befindet sich der zweite Teil „Breaking the walls“ in der Probenphase.
Die theaterpädagogische Arbeit nimmt sich vor, Muster, Normen und Vorurteile jeglicher Art in Form von Tanz und Maskenspiel zu thematisieren. Ähnlich wie im ersten Teil „Das Haus“, werden Mauern als Symbol von Erwartungshaltungen verwendet.

 

Was genau unter jenen Mauern zu verstehen ist, konkretisiert Christian Sasse, Projektkoordinator und Tanzlehrer bei „Breaking the walls“: „Mit den Mauern sind alle möglichen gemeint. Mauern, die in den Köpfen der Menschen bestehen, Mauern, die einen umschließen, nationale Mauern oder die der Hautfarbe. Es kann aber auch eine Fragestellung sein. Also: Welche Mauern sollte man brechen oder haben manche Mauern vielleicht sogar ihre Berechtigung und sollten bestehen bleiben?“

 

Von Masken und Mauern

Diese Frage ist ein wichtiger Bestandteil der Inszenierungsidee. Auch das Aufsetzen einer Maske kann zu einer symbolischen Mauer zwischen Zuschauer und Akteur werden. Marlen Geisler ist Theaterpädagogin am Puppentheater Magdeburg und erzählt: „Insbesondere in Bezug auf innere Mauern spielen Masken eine wichtige Rolle. Es gilt ständig zu hinterfragen, welche Maske ich mir aufsetze und was ich dahinter verbergen will.“
So sorgt das Tragen einer Maske bei einigen der Teilnehmer für Unbehagen, andere wiederum gehen mehr aus sich heraus. Die elfjährige Bahare und der zehnjährige Nino berichten: „Wir fühlen, dass die Maske uns verändert.“ Ihre Mitstreiterin Fabienne ergänzt „Ja, ich verändere mich und nehme eine andere Rolle an. Das finde ich interessant.“ So kann sie für einen Moment jemand anderes sein, erklärt die 13-Jährige.

Puppentheater meint nicht nur das Spielen mit Puppen

Eine weitere Besonderheit des Projektes ist die Kombination von Tanz und Maske in Magdeburg. Unter Puppentheater wird in der Regel Theater mit Puppen verstanden, was jedoch nur einen Teil von vielen umfasst. So kommen neben Puppen auch das Schatten- und Maskenspiel zum Tragen. „In Ostdeutschland wird gerne noch von Puppentheater gesprochen. Mittlerweile ist die Bezeichnung Figurentheater jedoch genauer, da sie beispielsweise auch das Maskenspiel mit einbezieht“, erläutert Marlen Geisler.

Für die Jugendlichen bedeutet das vollen Körpereinsatz, auf den die Zuschauer im Herbst 2018 gespannt sein können. Dann werden die ersten Szenen präsentiert. „Es geht um das Experimentieren. Wir selbst als Spielleiter lassen uns die Freiheit und versuchen nicht zu sehr in den gängigen Mustern, wie Zielerfüllungen, zu denken. Ziel ist hier wirklich das Loslassen“, beschreibt sie „Breaking the walls“ und bricht damit eine erste Mauer gängiger Theaterkonventionen.

Aufführungstermine von „Breaking the walls“

Wer nun Lust auf dieses Masken- und Tanzspektakel bekommen hat, bekommt im Oktober die Gelegenheit, eine Kostprobe zu sehen. Zum „Tag der offenen Tür“ des Magdeburger Puppentheaters am 7. Oktober 2018 präsentieren die Teilnehmer ausgewählte Szenen. Informationen sind auf der Internetseite des Puppentheaters in Magdeburg; oder auf der Facebookseite des Puppentheaters erfahrbar.

Zuerst erschienen auf der Internetseite des MDR Sachsen-Anhalt am 02.04.2018.

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