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Dessau

Der Umzug nach Dessau hatte seinen Ursprung im Jahr 1924, als sich im Thüringer Landtag die Mehrheiten zugunsten der nationalkonservativen Kräfte verschoben. Der neuen Landesregierung missfiel die internationalistische Ausrichtung des Bauhauses und kürzte den Etat drastisch. Finanziell unter Druck geraten, sah sich die Bauhausleitung gezwungen nach alternativen Standorten umzusehen.

Die Wahl fiel auf Dessau. Das Angebot, den gesamten Lehrstuhl zu übernehmen, den Neubau eines Schulgebäudes sowie Ateliers und Wohnhäuser für die Meister zu finanzieren war unschlagbar. Das Baubüro Gropius übernahm einen erheblichen Teil der Planung und innerhalb eines Jahres entstanden in Zusammenarbeit mit der ansässigen Industrie das Bauhaus-Gebäude sowie die Meisterhäuser.

Für den Umzug des Bauhauses nach Dessau setzten sich maßgeblich der Dessauer Oberbürgermeister Fritz Hesse (SPD) und sein Parteikollege Heinrich Pëus ein. Unterstützt wurden sie in ihrem Vorhaben vom Landeskonservator Ludwig Grote vom Industriellen Hugo Junkers, welcher bereits Bekanntschaft mit Walter Gropius pflegte. In das Bauhaus wurde die Hoffnung gesetzt, dass mit der anhängenden Studierendenschaft junge und kreative Köpfe in die Stadt strömen und die alten Residenz- und Industriestadt Dessau zu einem Zentrum für Industriekultur transformieren.

Dessaus Steuereinnahmen profitierten in hohem Maße von der angesiedelten Industrie, die rasch wuchs. In direkter Nähe befand sich außerdem der Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen. Die Finanzierung der Bauhaus-Schule speiste sich aus diesen Töpfen. Allerdings erfüllten sich die Hoffnungen nicht: das Forschungsunternehmen Junkers und die Kunstgewerbeschule Bauhaus hatten unterschiedliche Interessen. Dennoch verschob sich der Fokus der Lehre und der Idee am Bauhaus: nicht mehr die utopische und visionelle Baukultur ist Haupttopos, sondern wirtschaftlich erfolgreiche Industriekultur.

Die neue Einheitsregierung der DDR hatte am Bauhaus in Dessau kein Interesse. Das Bauhaus verfolgte keine explizit formulierte politische Ausrichtung und konnte Schülerinnen und Schüler sowie Meisterinnen und Meister aus der ganzen Welt begeistern. Doch in der Sowjetunion unter Stalin war kein Platz für junge Kreative aus Westeuropa und dem Erzfeind USA. Erst in den späten 1960er Jahren wurde das Bauhaus in der DDR wiederentdeckt. Die Bauhausschule sowie die Meisterhäuser wurden restauriert (Kommentar von Else und Ronald Kobe) und die DDR durch die UNESCO geadelt.

Bis heute sind die Spuren dieser Phase deutlich in Dessau zu sehen. Gropius entwarf ein neues Schulgebäude, welches 1926 fertiggestellt wurde. Das Schulgebäude besteht aus einer bis damals noch selten eingesetzten Stahlskelettkonstruktion und ist besonders auffällig durch seine teilweise durchgehenden Glasfassaden. Ähnliche Bauten finden sich an weiteren Orten in Dessau: die Meisterhäuser in der Ebertallee, das Kornhaus an der Elbe, die Siedlung Dessau-Törten im Süden der Stadt. Dies sind die klassischen Bauwerke, die mittlerweile ergänzt wurden von zeitgenössischen Bauwerken, die klar ersichtlich ihre geistigen Väter in der selben Stadt wähnen.

Bauhausschule

 
 

Meisterhäuser

 
 

Kornhaus

 
 

Törten