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Mythos Bauhaus – Veränderungen in der Rezeption

Das Bauhaus war eine Institution, um die sich heute fast schon Legenden bilden. Das Bauhaus wurde als staatliche Kunstschule 1919 gegründet und musste bereits 1933 aufgrund der politischen Verhältnisse seinen Betrieb wieder einstellen. Die Schule wurde nicht wieder eröffnet. Ihr Ruf hallt weltweit und nahezu überall auf der Welt gibt es Vorstellungen darüber, was Bauhaus sei: die Marke Bauhaus funktioniert. Dabei scheint es aber Verklärungen zu geben, die sich so nicht halten lassen. Was es damit aufsich hat, klärt Magdalena Droste, Mitherausgeberin des Sammelbandes "Mythos Bauhaus".

Was hat es mit Mythos Bauhaus auf sich?

Uns ist aufgefallen, dass bei der Rezeption des Bauhauses in der Gegenwart etwas fehlt: es scheint so, als gäbe es nichts Problematisches zu entdecken am Bauhaus. Das Bauhaus lebt eine globale Präsenz, die auf einige bunte Keywords reduziert wird. Selten wird das Bauhaus in seiner historischen Vielfalt dargestellt und noch mehr fallen die unzähligen Konflikte der Weimarer Nachkriegszeit aus dem Blick, die das Bauhaus in seiner Entstehungsgeschichte mit- und durchlebte. Das war für uns ein Anlass darüber zu forschen. Als Ergebnis haben wir den Sammelband „Mythos Bauhaus – Zwischen Selbsterfindung und Enthistorisierung“ herausgegeben.
Für den Band haben wir uns methodisch am französischen Semiotiker Roland Barthes orientiert, welcher Semantik und Inhalt voneinander trennt. Es gibt also einen semantischen Begriff Bauhaus, dessen Inhalt allerdings heute ein anderer ist. Und so kommt es, dass heutige Vorstellungen auf das Bauhaus transportiert werden, die sich so mit den ursprünglichen Ansätzen nicht abgleichen lassen. Werden also für eine Internetpräsenz Gemälde von ehemaligen Bauhaus Malern in Bewegung gesetzt, lässt sich das nicht als Bauhaus verifizieren.

Inwiefern ist das problematisch?

Hier wird ein eigenes Bauhaus erfunden. Natürlich darf sich jede Generation mit der Geschichte auseinandersetzen und diese aufarbeiten, jedoch scheint es eine Tendenz zur Vereinfachung und dadurch auch zur Verfälschung zu geben.

Welche Ausstrahlungskraft versprüht das Bauhaus, die die Rezeption so lebendig macht?

Das lässt sich schwer einschätzen. Vor 20 Jahren waren die Meister unheimlich wichtig und interessant: Gropius, Kandinsky, Klee. Heute werden die Meister kaum noch gehighlighted. Im Moment ist ein Hype Materialität und Handwerk. Das Handwerk wird auch in unserer Ausstellung „Wege aus dem Bauhaus – Gerhard Marcks und sein Freundeskreis“ in Weimar thematisiert. Handwerk und Menschenbildung sind ein wichtiger Teil dieser Ausstellung.
Was wir wahrnehmen ist, dass die ganze Modernisierung, die vom Bauhaus gefördert wurde, unter einem Label, nämlich Bauhaus, subsumiert wird und das entspricht wiederum dem, was heutzutage unter Markenbildung verstanden wird. Deshalb ist es so erfolgreich und strahlt auf der ganzen Welt.

Wie wird mit dem Bauhaus-Erbe in West- und Ostdeutschland nach 1945 umgegangen?

Die Rezeption in Ost- und Westdeutschland war nach 1945 sehr unterschiedlich. In Ostdeutschland lässt sich bis 1970 wenig zum Bauhaus entdecken. Erst danach wurde es kulturpolitisch instrumentalisiert. Teilweise gab es da vereinzelte Referenzen zu den ehemaligen Linken am Bauhaus, u.a. Hannes Meyer, der bekanntlich in den 1930er Jahren in die Sowjetunion ging. Letztlich waren die Bauhaus-Stätten in der DDR und mit diesen musste ein Umgang gefunden werden.
In Westdeutschland ist die Rezeption über die Vereinigten Staaten wieder ins Land gekommen. Da stand das Bauhaus für eine unpolitische Institution und für die Bejahung einer Modernität. Zurückgekehrte ehemalige Schüler konnten in den entsprechenden bau- und schulpolitischen Institutionen Einfluss nehmen, in West wie in Ost.

Welchen Einfluss konnten Bauhäusler auf den Städtebau in Ostdeutschland nehmen?

Im Osten haben wir es mit einer Stadtbaupolitik zu tun, die sich gegen den Westen richtete. Von aufgelockerter Stadtplanung hielt man nicht viel. Wichtig wurden Zentren und Straßen für Versammlungen. Eine Reihe von ehemaligen Bauhäuslern nahmen 1950 an der sogenannten Moskau-Reise teil, um sich Anleitungen aus dem Herz der Sowjetunion zu holen. Viele der Bauhäusler, die in den Osten kamen oder dort blieben, waren Linke, die jedoch, und das ist das spannende an der Geschichte, enttäuscht den Osten nach und nach auch wieder verließen.
Erst mit Chruschtschow wird eine städtebauliche Wende eingeleitet, die auf eine Modernisierung und Ausrichtung auf industrielle Zentren setzt. Neubauplanungen wie Halle-Neustadt sind dann das Ergebnis dieser Wende, an denen sicherlich vereinzelt auch ehemalige Bauhäusler involviert waren.

Was ist nachwievor das Bemerkenswerteste an der Rezeption des Bauhauses?

In der Rezeption ist die Kontinuität das Bemerkenswerteste. Besonders jetzt kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum fällt auf, wie sehr Bauhaus noch immer und besonders zurzeit Thema ist. Der Bund fördert mit großen Summen das Bauhaus-Erbe. Es gibt zahlreiche Initiativen, die teilweise auch miteinander konkurrieren, die daran arbeiten, dass die Rezeption des Bauhauses weiter geht. Es gibt es eine starke Regionalisierung des Themas, da diese Initiativen an unterschiedlichen Standorten entstanden sind und direkt vor Ort unterschiedlichen Themen rund um das Bauhaus in der jeweiligen Region arbeiten.

Prof. em. Dr. phil. Magdalena Droste war Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der BTU Cottbus-Senftenberg. Ihre Publikation “Das Bauhaus 1919 – 1933” aus dem Jahre 1990 wurde in elf Sprachen übersetzt. Ihre Themenschwerpunkte außerdem waren Paul Klee, Kunst und Wohnen sowie Kunst in der Weimarer Republik.